Dificile est satiram non scribere...

  • "Wenn Sie sich nicht an einen Zeckenbiss erinnern können, ist es höchst unwahrscheinlich, dass Sie Borreliose haben."

In einer Vielzahl von Veröffentlichungen ist zu lesen, dass nur 15%-50% der Patienten sich tatsächlich an einen Zeckenbiss erinnern können. Der Zeckenbiss kann somit nicht als Entscheidungsgrundlage für Diagnose oder Behandlung gelten. Ferner ist nicht sicher ausgeschlossen, dass Borreliose nicht auch auf anderem Wege auf den Menschen bzw. von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.

  • "Wenn nach einem Zeckenstich keine Hautrötung auftritt, können Sie keine Borreliose haben."

Das sogenannte Erythema migrans ist zwar typisch aber nicht pathognomonisch für Borreliose. Hautveränderungen, auch solche, die borrelioseverdächtig sind, können verschiedenste Ursachen haben. Die Borreliose wiederum kann, muss aber nicht zwangsläufig mit Hautveränderungen einhergehen. Zudem ist das E. m. nicht die einzig mögliche Reaktion der Haut auf Borrelien. Dennoch gilt: Wenn nach einem Zeckenstich eine Hautveränderung festgestellt wird, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, der nachweislich Borrelioseexperte ist. Bluttests sind zu dieser Zeit noch unnütz, weil eine Seropositivität erst nach mehreren Wochen eintritt. Da die Haut bis dahin schon lange Zeichen für das Vorliegen einer Infektion bergen kann, ist ein erfahrener Arzt von entscheidender Wichtigkeit bei der Früherkennung und der Verhinderung einer langwierigen und komplizierten Krankheit.

  • "Wenn Sie nach einem Zeckenstich kein Fieber bekommen, können Sie keine Borreliose haben."

Manche Patienten erinnern sich nach dem Zeckenbiss an hohes Fieber und diverse grippeartige Begleiterscheinungen. Dennoch ist es möglich, dass ein gut funktionierendes Immunsystem die Erreger zunächst in den Begriff bekommt und sich eine subklinische Infektion einschleicht. Erfährt der Patient dann eine signifikante Schwächung des Immunstatusses durch Stress, Krankheit oder das voranschreiten der Borrelieninfektion, so kann der Erreger sich auch Jahre nach dem Biss plötzlich akut vermehren.

  • "Wenn die Tests negativ sind, dann haben Sie auch keine Borreliose."

Es gibt derzeit noch keinen einzeln genommen verlässlichen Test für Borreliose. Die Sensitivität aller derzeit möglichen und praktizierten Tests liegt je nach Quelle zwischen 30% und 75%. Ein negativer Test bedeutet deswegen lange nicht, dass der Patient nicht infiziert ist. Genauso wenig bedeuten positive Tests, dass der Patient zwangsläufig mit einer aktiven Infektion kämpft. Die Diagnose „Borreliose“ muss daher in erster Linie symptomatologisch, klinisch gestellt werden. Diese Forderung wird unter anderem dadurch empirisch bestätigt, dass 25%-30% der seronegativen Patienten im Laufe einer erfolgreichen Behandlung seropositiv werden.

  • "Sie sind einfach psychisch krank."

Eine große Anzahl von Borreliosepatienten bekommt nach negativen Tests für Borrelien, eingehender neurologischer Untersuchung und anhaltenden Beschwerden einen Besuch bei Psychosomatikern, Psychiatern oder Psychologen empfohlen. Dieser Kreuzgang ist nicht zwangsläufig verkehrt, befällt die Borrelie doch mitunter auch das zentrale Nervensystem und kann sie dort auch zu einer Vielzahl von neuropsychiatrischen Beschwerden führen. Dennoch sind die Patienten nicht heilbar, wenn der behandelnde Arzt nicht erkennt, dass die Ursache für die Ausprägung der pathologischen Merkmale in einer Bakterie zu finden ist. Die Neuroborreliose hat einige typische Merkmale, die sie von anderen psychischen Störungen unterscheidet und über die sich Ärzte auf dem Gebiet dringend eingehend informieren sollten. Hierzu mehr unter dem Link „Psychiatrie und Lyme“.

  • "Wenn die Borreliose erst chronisch ist, können Sie nicht mehr vollständig geheilt werden."

Es ist bisher nicht einvernehmlich definiert worden, was eine chronische Borreliose überhaupt ist. In der Medizin kursieren vage Begrifflichkeiten wie Post-Lyme Syndrom oder Spätborreliose, die bisher im deutschen Raum nicht konsensuell definiert wurden. Die Borreliose ist eine komplexe multisystemische bakterielle Infektionskrankheit, an der oft mehrere Pathogene beteiligt sind und die insgesamt noch wenig verstanden ist und deswegen auch nicht immer auf dem naheliegendsten Weg heilbar ist. Dennoch verbreitet sich zunehmend die Erkenntnis, dass Borreliose durch lange Gabe von Antibiotika in hohen Dosen auch in späten Krankheitsstadien noch vollständig auskurieren lässt, ohne dass der Patient dadurch zwangsläufig Schaden durch Nebenwirkungen nimmt. Diese Einsicht muss sich in Deutschland jedoch erst noch in allgemeine medizinische Praxis umsetzen, damit das Ergebnis auch allen Patienten zugänglich wird. Zu oft werden Betroffene nach wie vor mit 2-4 Wochen Doxyzyklin abgespeist und danach zu Opfern der Spätborreliose deklariert, deren Beschwerden wenn überhaupt symptomatisch behandelt werden.

  • "Wenn Sie Antibiotika genommen haben und noch nicht gesund sind, liegt das an Spätfolgen der Borreliose, die nichts mehr mit aktiven Erregern zu tun haben."

Borrelien verfügen über verschiedene Tricks, sich gut geschützt im Wirt einzunisten. Das macht sie für Antibiotika schwer zu erreichen. Hier sei nur eine knappe Liste verschiedener solcher Tricks erwähnt, um ein Verständnis anzubahnen. Genaueres findet sich in den Artikeln, die unter „Allopathie“ verzeichnet stehen.

  • Borrelien verfügen über eine relativ langsame Reproduktionsrate. Mit einer vierwöchigen Antibiose werden nicht ein zehntel so viele Reproduktionszyklen der Borrelie abgedeckt wie beispielsweise mit einer siebentägigen Standardkur für Streptokokken.
  • Borrelien halten sich an Stellen im Körper auf, die vergleichsweise wenig mit Blut versorgt werden. Dadurch überdauern sie die Antibiose und breiten sich nach deren Absetzen von den Nischen her wieder aus.
  • Borrelien schaffen sich in der Zelle einen schützenden Säuremantel, der von verschiedenen Antibiotika nicht geknackt werden kann.
  • Borrelien können extra– und intrazellulär auftreten. Kein einzelnes Antibiotikum ist an beiden Orten wirksam.
  • Borrelien können Zysten bilden, die von wenigen Medikamenten angegriffen werden können. Nach Absetzen der Medikation konvertieren sie von der Zyste wieder zur aktiven Spiralform.
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Daneben ist zu berücksichtigen, dass es Infektionskrankheiten gibt, die den Verlauf der Borreliose ungünstig beeinflussen und insbesondere dessen Ausheilung beeinträchtigen. Zu nennen sind hier zum Beispiel verschiedene Herpes Formen, EBV,CMV und HIV. Vor allem aber ist bei der Betrachtung von Konfektionen ein dringender Blick auf hierzulande eher unbekannte Spezies zu werfen, die ebenfalls von Zecken übertragen werden können und ähnliche Krankheitsbilder erzeugen wie die Borrelie. Dazu gehören Babesien, Bartonellen und Ehrlichien. Wenn hier nicht klinisch oder labordiagnostisch genauestens unterschieden wird, kann eine Behandlung unmöglich erfolgreich sein und man darf sich nicht wundern, wenn sich unter borreliosespezifischer Antibiose keine oder nur eine geringfügige Besserung einstellt. Fast alle Patienten mit chronischer Borreliose sind signifikant mit anderen zeckenübertragenen Pathogenen infiziert. 66% aller Borreliosepatienten zeigen Infektionszeichen von Babesiose. Ähnliches gilt für Bartonellose und Ehrlichiose. Es gibt Patienten, die sogar mit mehr als zwei zeckentypischen Pathogenen infiziert sind.

  • "Hohe Dosen und lange Dauer antibiotischer Behandlung sind gefährlich und sollten nicht in Betracht gezogen werden."

Es gibt eine Reihe von guten Gründen, mit Antibiotika sparsam und vorsichtig umzugehen. Dies sollte nicht vergessen werden. Wie immer jedoch gilt es, das Risiko/Nutzen-Verhältnis sorgfältig bei jedem Patienten individuell abzuwägen. Für die Borreliose gilt es dabei folgendes nicht außer Acht zu lassen: Die Quote erfolgloser Standardtherapien, etwa mit Doxyzyklin, ist immens hoch. Die Folgen des Scheiterns sind indes fatal. Man hat wahrscheinlich den frühen und günstigsten Zeitpunkt für eine erfolgreiche Therapie leichtfertig verspielt und bereitet den Weg für die Chronifizierung der Krankheit. Das Scheitern der Heilung wird dadurch zementiert, dass den Patienten, die nach der Standardtherapie nicht gesundet sind, die sogenannte Spätborreliose attestiert wird, die angeblich und unbewiesener maßen nichts mehr mit aktiven Bakterien zu tun hat. Borreliosepatienten im Spätstadium haben einen gefühlten Lebenswert der mit dem eines Patienten nach einer Herztransplantation gleichzusetzen ist! Die Lebensqualität durch eine unbehandelte oder unterbehandelte Borreliose wird demnach so dramatisch eingeschränkt, dass die Frage nach intensiver und extensiver Behandlung mit Antibiose auch nach erfolgloser antibiotischer Erstbehandlung keine Frage sein sollte. Dies gilt vor allem deswegen, weil nun endlich eine Reihe von wissenschaftlichen Studien vorliegen, die beschreiben, wie sich erstens lange und hochdosierte Antibiotikatherapien erheblich positiv auf den Gesundungsverlauf des Patienten auswirken und erstaunliche Rehabilitierungsprozesse ermöglichen und wie sich zweitens die Nebenwirkungen unerwartet gut kontrollieren und eingrenzen lassen.

  • "Ihre Diagnose lautet Multiple Sklerose, Alzheimer, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Parkinson ... "

Konsultieren Sie umgehend einen Arzt, der nachweislich ein Borrelioseexperte ist. Dieser Besuch stellt in den Umständen, die Sie bereits ohnehin wegen Ihrer Krankheit haben auf sich nehmen müssen, eine vergleichsweise winzige weitere Unannehmlichkeit dar, könnte aber Ihre letzte Chance auf eine entscheidend positive Beeinflussung Ihrer Gesundheit sein. Die Borrelie ist in der Lage, eine Vielzahl an systemischen Erkrankungen zu imitieren und dies wird in einer dramatisch hohen Anzahl der Fälle nur zufällig, erst viel zu spät oder vielleicht gar nicht erkannt.

Borrelioenetz Deutschland | info@borreliose.me