Aus dem Leitfaden von Dr. J. Burrascano:

4.3 Ehrlichia (und Anaplasma)

Während gewiss ist, dass diese Krankheit eine fulminante Präsentation hat und tödlich verlaufen kann, wenn sie nicht behandelt wird, existieren auch mildere Formen sowie chronisch niedergradige Infektionen, besonders in Gegenwart anderer zeckenübertragener Organismen. Die potentielle Übertragung von Ehrlichien während eines Zeckenstichs ist der Hauptgrund, warum Doxycyclin heute das Medikament der Wahl bei der Behandlung von Zeckenstichen und früher Lyme Borreliose ist, noch bevor die Serologie positiv werden kann. Wenn Ehrlichiose als alleinige Infektion vorliegt, aber auch in Koinfektionen mit B.burgdorferi, ist persistierende Leukopenie ein wichtiger Hinweis auf das Vorliegen der Krankheit. Thrombozytopenie und erhöhte Leberwerte, die oft bei akuter Infektion festgestellt werden, sind zwar bei chronischen Patienten weniger häufig, sollten aber wenn festgestellt nicht ignoriert werden. Kopfschmerzen, Myalgien und anhaltende Erschöpfung suggerieren diese Krankheit aber die Symptome sind extrem schwer von denen zu trennen, die durch Bb verursacht werden.

Labordiagnostik

Die Labordiagnose ist bei Ehrlichien ähnlich problematisch wie bei Babesiose. Uns sind wiederum mehr Spezies und Stränge bekannt, als wir derzeit mit klinisch erhältlicher Serologie und PCR erfassen können. Zudem sind Sensibilität und Spezifizität von Serologie und PCR für Ehrlichia nicht bekannt. Standard-Blutausstriche zwecks direkter Visualisierung der Organismen in Leukozyten haben einen geringen Ertrag. Verfeinerte Blutausstriche mit Leukozytenfilmen erhöhen die Sensitivität beträchtlich können eine größere Bandbreite an Spezies aufdecken. Trotzdem kann die Infektion unerkannt bleiben, so dass wiederum die klinische Diagnose das diagnostische Werkzeug der Wahl bleibt. Nochmals sollte die Diagnose bedacht werden, wenn ein LB-Patient nicht gut auf eine handelsübliche Lyme-Therapie anspricht und Symptome hat, die auf Ehrlichien hinweisen.

Behandlung

Die Standard-Behandlung besteht aus 200mg Doxycyclin täglich für zwei bis vier Wochen. Höhere Dosen, parenterale Therapie und längerer Behandlungsdauer mögen in Abhängigkeit von der schwere der Krankheit und ihrer Dauer nötig sein. Auch Immundefizite und hohes Alter verändern die Therapieform. Dennoch gibt es Berichte von Scheitern der Behandlung selbst wenn mit hohen Dosen über lange Zeiträume behandelt wird. In solchen Fällen sollte man erwägen, 600mg Rifampicin zum täglichen Schema hinzuzugeben.

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