Aus dem Leitfaden von Dr. J. Burrascano:

4.4 Diagnostische Differenzierung der Koinfektionen

Neben Borrelia burgdorferi (Bb) können Zecken Träger anderer Infektionen sein und diese auch übertragen. Darüberhinaus sind Patienten mit einer ausgeweiteten Lyme-Krankheit, die durch eine oder mehrere Koinfektionen verkompliziert wird, oft immunkompromitiert und können daher auch Zeichen und Symptome von reaktivierten latenten Infektionen sowie opportunistischen Infektionen manifestieren. All diese können zu gesteigerter Morbidität beitragen und müssen möglicherweise behandelt werden. Wegen der hohen Anzahl dieser anderen Infektionen sind die Kosten zu hoch, als dass man als Teil einer Routine auf sie testen könnte. Zudem sind die entsprechenden Labortests oft unsensibel. Dadurch ergibt sich die Notwendigkeit, das ganze Problem klinisch zu lösen, um Richtungen für das Testen und Behandeln vorzugeben. Hier sind dazu nun einige Hinweise.

Klassische Borreliose

  • Gradueller Krankheitsbeginn mit Zeichen, die einer viralen Infektion ähneln. Oft ist es schwer, den tatsächlichen Krankheitsbeginn genau festzulegen.
  • Fast immer multisystemische Beteiligung in späten Stadien, Beteiligung von mehr als einem Teil oder System (z.B. Gelenkschmerzen und kognitive Dysfunktion).
  • Wandernd, z.B. zuerst Knieschmerzen, die allmählich nachlassen, bis Ellenbogen oder Schultern hinzukommen, dann klingen die Gelenkschmerzen ab und die Kopfschmerzen werden stärker.
  • Steife Gelenke und lautes Gelenkknacken, besonders im Genick (Lymespezifische Schulterhaltung)
  • Kopfschmerzen sind oft vom Nacken her kommend und assoziiert mit steifem, schmerzendem und knackendem Genick.
  • Oft unerkanntes Nachmittagsfieber. Die meisten Lyme-Patienten haben subnormale Morgentemperaturen, die aber bis zu 37.2° Celsius am Nachmittag steigen. Kein offensichtliches Schwitzen.
  • Müdigkeit und verringerte Ausdauer. Oft besteht ein starkes Bedürfnis am Nachmittag auszuruhen oder zu schlafen, insbesondere wenn ein gerötetes Gesicht und gesteigerte Nachmittagstemperaturen auftreten.
  • 4-Wöchige Zyklen. Bb-Aktivität, und daher auch korrelierende Symptome, kommen und gehen in einem Zyklus, der sich etwa alle vier Wochen wiederholt. Dieser Zyklus kann, wenn er klar bestimmt ist, die Behandlung steuern.
  • Langsame Reaktion auf Behandlung mit einem initialen Aufflammen der Symptome (Herxheimer-ähnliche Reaktionen), dann Verbesserung über Wochen hin, unterbrochen von den monatlichen Spitzen.
  • Genauso wird eine Behandlung, die zu früh beendet wird, zu einer anfänglichen Periode des Wohlbefindens führen, die dann graduell im Lauf der Wochen von einer Wiederkehr der Symptome abgelöst wird.
  • Lymphozytom an typischen Stellen (Ohrläppchen etc.)
  • Erythema Migrans in 25%-50% aller Fälle. 

Bartonella und BLO

  • Langsamer Krankheitsbeginn
  • ZNS-Symptome die überproportional stark sind im Vergleich zu muskuloskelletalen Beschwerden. Wenn ein Patient keine oder nur minimale Gelenkschmerzen hat aber stark Enzephalopathisch ist, sollte an BLO gedacht werden.
  • Offenkundige Zeichen von ZNS-Irritabilität beinhalten Muskelzucken, Zittern, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle, Aufruhr, Ängstlichkeit, starke Stimmungsschwankungen und antisoziales Verhalten.
  • Gastrointestinale Beteiligung äußert sich als Gastritis oder abdominaler Schmerz(mesenterische Adenitis)
  • Schmerzende Sohlen, besonders am Morgen.
  • Weiche, subkutane Knoten entlang der Extremitäten, besonders am äußeren Oberschenkel, am Unterschenkel unterhalb der Knie, und gelegentlich entlang des Triceps.
  • Manchmal Lymphadenopathie
  • Morgenfieber, gewöhnlich um 37.2°Celsius. Gelegentlich von leichtem Schweiß begleitet.
  • Erhöhter vaskulärer endothelialer Wachstumsfaktor (VEGF) bei einer Minderheit, aber der Grad der Erhöhung korreliert mit der Aktivität der Infektion und kann herangezogen werden, um die Behandlung zu überwachen.
  • Schnelle Antwort auf Änderungen im Behandlungsschema. Oft bessern sich die Symptome bereits Tage nach Antibiosebeginn, ebenso schnell kehren sie wieder, wenn die Medikamente zu früh abgesetzt werden.
  • Papulärer oder linearer Ausschlag der Haut (wie Dehnungsstreifen, die nicht immer den Hautebenen folgen) besonders bei denen mit gastrointestinaler-Beteiligung).

Babesia Spezies

  • Rasches Auftreten der Krankheit, oft mit einem plötzlichen, heftigen Fieber, starken Kopfschmerzen, Schwitzen und Erschöpfung, daher ist es leicht zu wissen, wann die Infektion anfing.
  • Offensichtliches Schwitzen, gewöhnlich nachts aber auch am Tage.
  • Atemnot, Bedürfnis zu Schnaufen und tief zu Atmen.
  • Leichter aber ständiger trockener Husten ohne offenkundigen Grund.
  • Kopfschmerzen können besonders stark sein und sind stumpf und global, betreffen den ganzen Kopf und werden beschrieben als sei der Kopf in einem Schraubstock eingespannt.
  • Erschöpfung ist zugegen, weicht nicht trotz Schlaf und wird schlimmer mit körperlicher Betätigung.
  • Mentale Abgeschlagenheit sowie langsame Reaktionen und Antworten Taumel, kein Schwindel oder reine Orthostase.
  • Symptome haben einen schnellen Zyklus und flammen alle vier bis sechs Tage auf. Hyperkoaguabilität wird oft mit Babesia-Infektionen in Zusammenhang gebracht.
  • Selten Splenomegalie.
  • Eine besonders starke Lyme-Krankheit kann Hinweis auf Babesiose sein, da sie die Lyme-Symptome verstärkt und die Medikation weniger effektiv macht.

Ehrlichien (Anaplasma)

  • Schneller Beginn mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, Prostration (Adynamie). Scharf stechende Kopfschmerzen, messerartig, oft hinter den Augen.
  • Muskelschmerzen eher als Gelenkschmerzen, mild oder stark.
  • Leukopenie, Thrombozytopenie, erhöhte Leberenzyme, und selten Einschlüsse in den weißenBlutkörperchen.
  • Selten Auftreten diffuser, vaskulitischer Ausschläge, auch an Fußsohlen und Handinnenfläche (weniger als 10%)
  • Schnelle Reaktion auf Behandlung.

DNA Viren (HHV-6, EBV, CBV)

  • Anhaltende Erschöpfung, die durch körperliche Ertüchtigung schlimmer wird.
  • Halsschmerzen, Lymphadenopathie und andere virale Beschwerden.
  • Gelegentlich erhöhte Leberenzyme und Leukopenie.
  • Autonome Regulationsstörungen.

Borrelioenetz Deutschland | info@borreliose.me