Aus dem Leitfaden von Dr. J. Burrascano:

4.2 Bartonella-ähnliche Organismen 

Es wurde gesagt, dass Bartonella das häufigste aller Zeckenpathogene ist. Tatsächlichscheint sich ein relativ spezifisches klinisches Syndrom auszubilden, wenn diese Art Organismus Teil der Lyme-Krankheit eines Patienten ist. Dennoch scheinen mehrere Aspekte dieser Infektion darauf hinzudeuten, dass der mit Zecken in Zusammenhang stehende Strang der Bartonella sich von dem Strang unterscheidet, der die Katzenkratzkrankheit verursacht. So reagiert beispielsweise bei Patienten, bei denen das klinische Bild stimmt, der Standard-Bluttest für Bartonellose für gewöhnlich nicht. Außerdem scheinen die für Bartonella üblichen Medikationen nicht zu wirken. Sie unterdrücken die Symptome eine Weile, aber lösen diese nicht permanent auf. Aus diesem Grund bevorzuge ich die Bezeichnung „Bartonella-ähnliche Organismen“ (BLO) und rate ab, von einem gewöhnlichen Pathogen auszugehen. Indikatoren für BLO-Infektionen sind ZNS-Symptome, die, proportional betrachtet, weit schlimmer sind, als die anderen systemischen Symptome bei chronischer Lyme-Krankheit. Das ZNS scheint erheblich stärker irritiert und es kommt zu Agitation, Angst, Schlaflosigkeit und sogar Krampfanfällen. Zudem werden ungewöhnlich starke Symptome von Enzephalitis beobachtet wie zum Beispiel kognitive Defizite und Verwirrtheit. Weitere Schlüsselsymptome können Gastritis, Schmerzen im Unterleib (Mesenterische Adenitis) besonders am Morgen schmerzende Fußsohlen, weiche, subkutane Knoten entlang der Extremitäten und Hautrötungen sein. Letztere können die Erscheinung von roten Streifen haben, die wie Dehnungsstreifen aussehen und nicht den Hautebenen folgen, sie können zu spinnennetzartig hervortretenden Venen führen, aber auch einfach rote papuläre Ausschläge darstellen. Lymphknoten können vergrößert sein und Halsschmerzen bestehen häufig.

Da die standardisierten Bartonella-Tests (PCR und Serologie) die BLOs nicht erfassen, ist der Bluttest sehr unsensibel. Daher ist die Diagnose eine klinische, die sich an den obengenannten Punkten orientiert. Zudem sollte man BLO im Verdacht haben, wenn Patienten trotz extensiver LB-Behandlung immer noch enzephalitisch sind und noch kein spezifisches BLO-Schema erhalten haben. Das Medikament der Wahl ist Levofloxacin. Levofloxacin wird für gewöhnlich nie zur Behandlung von Lyme Borreliose oder Babesiose verwendet, so dass viele Patienten, die zeckenübertragene Krankheiten haben, entsprechend behandelt worden sind, und dennoch krank bleiben, tatsächlich mit BLO infiziert sein können.

Die Behandlung besteht aus 500mg täglich (kann je nach Körpergewicht verändert werden) für die Dauer mindestens einen Monats. Besonders kranke Patienten müssen bis zu drei Monate oder sogar länger behandelt werden. Es scheint, dass die Wirkung von Levofloxacin stärker ist, wenn ein Protonenpumpen-Hemmer in Standarddosierung zum Schema hinzugefügt wird. Eine weitere Feinheit ist, dass bestimmte Kombinationen von Antibiotika den Effekt von Levofloxacin vermindern, während andere neutral zu sein scheinen. Ich rate von Erythromycin-ähnlichen Medikamenten ab, da Patienten mit dieser Kombination klinisch nicht gut zurecht kamen. Kombinationen mit Cephalosporinen und Penizillinen und Tetracyclinen sind unbedenklich. Alternativen zu Levofloxacin beinhalten Rifampicin, Gentamicin und möglicherweise Streptomycin. Ein kürzlich veröffentlichter Artikel suggeriert, dass der Gebrauch von chinin-ähnlichen Medikamenten wie Atovaquone (Mepron/Malaron) eine spätere Gabe von Levofloxacin weniger effektiv machen kann. Daher sollten bei koinfizierten Patienten zunächst BLO und anschließend Babesia Spezies behandelt werden. Levofloxacin wird im Allgemeinen gut vertragen und verursacht fast keine Magen-Darm Probleme. Sehr selten kann es Verwirrung erzeugen, wobei dies eine temporäre Erscheinung ist, die in wenigen Tagen abklingt und durch ein Herabsetzen der Dosis aufgefangen werden kann. Es gibt jedoch eine Nebenwirkung, die zum Absetzen des Medikaments führt: Levofloxacin kann eine schmerzhafte Tendonitis hervorrufen, die gewöhnlicher weise die größten Sehnen betrifft. Wenn hier nicht sofort reagiert wird, kann es zu entzündlichen Sehnenrissen kommen. Es ist beschrieben worden, dass das Problem vermieden werden kann, in dem man dem Patient größere Mengen Magnesium zuführt. Wenn es zu einer Tendonitis kommt, kann die Gabe von parenteralem Vitamin-C und Magnesium schnelle Linderung verschaffen. Unglücklicherweise können Levofloxacin und andere Medikamente derselben Gruppe nicht für Personen unter 18 Jahren verschrieben werden. Daher werden dort Alternativen wie Azithromycin fällig.

Tierversuche zeigen, dass BLO über die Plazenta übertragen werden können. Menschliche Studien zu diesem Thema liegen nicht vor.

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