Ein interessanter Artikel zum Thema Babesiose von Dr. Schaller kann unter dem  Namenslink eingesehen werden. Er ist noch nicht vollständig übersetzt und liegt daher bisher nur in Englisch vor.

Aus Dr. J. Burrascanos Leitlinien:

4.1 Piroplasmose (Babesiose)

Es wurde lange geglaubt, dass Babesia microti das einzige signifikante Piroplasma ist, das den Menschen betrifft. Mittlerweile meint man, dass viele der über zwei dutzend bekannten Spezies von Piroplasmen, die in Zecken gefunden werden, auch auf den Menschen übertragbar sind. Unglücklicherweise gibt es für die nicht-microti Spezies keine generell erhältlichen Tests. Deswegen ist einmal mehr eine klinische Diagnose notwendig. Piroplasmen sind keine Bakterien, sie sind Protozoen. Deswegen werden sie von keiner der derzeit gängigen Lyme-Medikationen abgetötet. Genau darin liegt die Bedeutsamkeit der Koinfektionen: Wenn eine Lyme-Patient extensiv behandelt wurde und immer noch krank ist, und vor allem dann, wenn er dazu noch atypische Symptome aufweist, muss man von einer Koinfektion ausgehen. Aus der Literatur:

• „Koinfektionen führen im Allgemeinen zu intensiverer akuterer Krankheit, zu einer größeren Vielfalt an Symptomen und zu einer längeren Konvaleszenz als eine der beteiligten Infektionen alleine.“

• „Die DNA von Spirochäten verblieb bei koinfizierten Patienten länger im System als bei solchen, die nur eine Infektion alleine hatten.“

• „Koinfektionen verstärken möglicherweise die von Spirochäten verursachten Läsionen an menschlichen Gelenken, Herz und Nerven.“

• „Infektionen mit Babesia können die Abwehrmechanismen des menschlichen Wirts hemmen.“

• „Die Möglichkeit der Beteiligung von Babesia sollte immer berücksichtigt werden, wenn eine milde bis schwere Lyme-Krankheit diagnostiziert wird.“

Babesia-Infektionen werden nun immer öfter erkannt, besonders bei Patienten, die bereits die Lyme-Krankheit haben. Es ist veröffentlicht worden, dass bis zu 66% aller Lyme-Patienten serologische Evidenz von einer Koinfektion mit B. microti zeigen. Es ist ebenfalls berichtet worden, dass Babesia-Infektionen im gesamten Spektrum von mild und subklinisch bis hin zu fulminant und potentiell lebensbedrohlich ablaufen können. Subklinische Infektionen werden oft nicht erkannt, da ihre Symptome fälschlicherweise der Lyme Borreliose zugeschrieben werden. Babesia-Infektionen können auch nach Behandlung Behandlung der Lyme Krankheit wiederkehren und schwere Krankheit verursachen. Es wurde beschrieben, dass dieses Phänomen jeder Zeit und auch mehrere Jahre nach der Erstinfektion noch auftreten kann. Zudem stellen solche Babesia-Träger ein Risiko für die Blutversorgung dar, da die Infektion Berichten zufolge auch bei Transfusionen übertragen wird.

Symptome

Rückschlüsse auf die Babesiose können aus einer akuteren Anfangsphase der Krankheit gezogen werden. Die Patienten erinnern sich oft an hohes Fieber und Schüttelfrost zu Beginn ihrer Lyme-Krankheit. Im Verlaufe der Zeit können sich Nachtschweiß, Lufthunger, gelegentlicher Husten, persistierender migräneartiger Kopfschmerz, ein vages Gefühl der Gleichgewichtsstörung ohne echten Schwindel, Enzephalopathie und Erschöpfung einstellen.  Die fulminanten Präsentationen können bei Patienten gesehen werden, die immunsuprimiert sind, an splenektomiert sind oder ein hohes Lebensalter aufweisen. Kennzeichen sind dann hohes Fieber, starker Schüttelfrost und Hämolyse und der Verlauf kann tödlich sein.

Labordiagnostik

Die Labordiagnostik ist unsensibel und problematisch. Es gibt mindestens dreizehn und möglicherweise bis zu zwei dutzend verschiedene Babesia-Formen, die in Zecken gefunden werden. Dennoch könne wir mit unseren serologischen und nuklearen Tests gegenwärtig nur auf B. microti und WA-1 (B. duncani) hin untersuchen. Standard-Blutausstriche sind scheinbar nur in den ersten zwei Wochen der Infektion verlässlich und daher nicht sinnvoll in der Diagnose späterer Stadien. Auch die Diagnose milderer Infektionen und die des Träger-Status sind serologisch problematisch, weil hier die Keimanzahl zu gering ist, als dass sie in serologischen Tests erfasst werden könnte. Daher sind multiple Testmethoden vorhanden, und jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile. Oft müssen mehrere Tests durchgeführt werden. Man sollte darauf vorbereitet sein, eine Behandlung auf klinische Kriterien zu stützen, selbst wenn die Tests negativ sind.

• Serologie: Anders als bei Lyme Borreliose können Babesia-Titer den Infektionsstatus reflektieren. Also suggerieren anhaltend positive Titer eine persistierende Infektion.

• PCR: Diese Methode ist sensibler als Blutausstriche für B.microti aber es können keine anderen Spezies entdeckt werden.

• Verbesserte Blutausstrichtechnik: Hier verwendet man den Leukozytenfilm, verlängertes Scannen von bis zu drei Stunden und digitale Photographie durch speziell angefertigte Mikroskope. Obwohl dieses Vorgehen sensibler ist als der gewöhnliche Blutausstrich, können immer noch Infektionen unerkannt bleiben. Der große Vorteil ist, dass hier verschiedene Spezies sichtbar werden, nicht nur B.microti.

• FISH: Diese Technik ist ebenfalls eine Blutausstrichvariante. Man hält sie für 100 mal so sensibel wie einen Standard-Blutausstrich, weil hier mit fluoreszierenden RNA-Fühlern und ultraviolettem Licht gearbeitet wird. Die Babesia-Organismen sind dann wesentlich besser zu erkennen, wenn die Objektträger gescannt werden. Der Nachteil ist, dass gegenwärtig auch nur B. microti gesichtet werden kann.

Behandlung

Babesia-Infektionen zu behandeln ist immer schon schwer gewesen, weil die Therapie, die bis 1998 empfohlen wurde aus einer Kombination von Clindamycin und Chinin bestand. Veröffentlichte Berichte und klinische Erfahrung haben indes gezeigt, dass dieses Schema inakzeptabel ist, da fast die Hälfte der Patienten die Behandlung wegen schwerwiegender Nebenwirkungen, von denen viele Behinderungen hervorriefen, abbrechen mussten. Zudem lag die Erfolgsquote selbst bei denen, die das Schema durchhalten konnten, nur bei etwa 50%. Wegen dieser schaurigen Statistik besteht das gegenwärtige Schema der Wahl für Babesiose aus einer Kombination von Atovaquone (Mepron, Malarone), 750 mg bid, und einem Antibiotikum aus der Erythromycin-Klasse wie zum Beispiel Azithromycin, Clarithromycin, oder Telithromycin in Standarddosis. Diese Kombination wurde anfangs an Tieren getestet und dann  mit gutem Erfolg auf den Menschen übertragen. Weniger als 5% der Patienten müssen die Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrechen und die Erfolgsquote ist klar besser als die von Clindamycin und Chinin. Die Behandlungsdauer mit Atovaquone-Kombinationen variiert in Abhängigkeit von dem Grad der Infektion, Dauer der Krankheit vor Diagnosestellung, Immunstatus und Gesundheit des Patienten und mit dem Grad signifikanter Koinfektionen. Typischerweise wird ein dreiwöchiger Behandlungszeitraum für akute Fälle verschrieben, wohingegen chronische, langandauernde Infektionen mit signifikanter Morbidität und Koinfektion ein Minimum von vier Monaten Therapiedauer benötigen. Rückfälle kommen vor und Wiederholung der Behandlung ist gelegentlich nötig.

Probleme während dieser Therapie beinhalten Durchfall, milde Übelkeit, den Preis des Atovaquone (600 Dollar pro Paket für ca. drei Wochen) und selten eine temporäre Gelbfärbung der Sklera. Bei längerer Anwendung sollten alle drei Wochen Blutbild und Leberwerte kontrolliert werden, da die Leberenzyme sich erhöhen können. Scheitern der Behandlung wird meist auf zu niedrige Dosen von Atovaquone zurückgeführt. Daher sollten Patienten, die mit diesem Schema nicht geheilt werden, mit höheren Dosen behandelt werden, was oft zum Erfolg geführt hat. Zudem sollte die Konzentration von Atovaquone im Blut kontrolliert werden. Artemisia sollte in jedem Fall der Kombination hinzugefügt werden. Metronidazol und Bactrim können ebenfalls hinzugezogen werden, jedoch ist unklar, wie viel effektiver dies sein mag.

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